Monatelang galt der 2. August 2026 als der große Stichtag der EU-KI-Verordnung (AI Act). Dann kam der „Digital Omnibus" — und mit ihm die Verschiebung wichtiger Fristen. Das hat für Erleichterung gesorgt, aber auch für Verwirrung. Die wichtigste Botschaft für österreichische KMU lautet: Ein Teil der Verordnung gilt längst — unabhängig von jedem Aufschub.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren konkreten Fall ziehen Sie bitte fachkundige juristische Beratung hinzu.
Was wurde verschoben — und was nicht?
Im Mai 2026 haben sich die EU-Institutionen politisch auf den Digital Omnibus geeinigt, der mehrere Fristen der Verordnung nach hinten verschiebt. Der Stand (Stand Juni 2026, formale Annahme zum Redaktionszeitpunkt noch ausstehend):
Verschoben:
- Pflichten für eigenständige Hochrisiko-Systeme (Annex III, z.B. Bewerberauswahl, Kreditscoring) → von August 2026 auf 2. Dezember 2027.
- Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Annex I, z.B. Medizingeräte, Maschinen) → auf 2. August 2028.
Gilt bereits — ohne Aufschub:
- Verbotene KI-Praktiken und KI-Kompetenz-Pflicht: anwendbar seit 2. Februar 2025.
- Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI) und Governance: seit 2. August 2025.
- Transparenzpflichten für KI-generierte Inhalte (z.B. Kennzeichnung): Compliance ist bis 2. Dezember 2026 herzustellen.
Mit anderen Worten: Der Aufschub betrifft vor allem die aufwändigen Hochrisiko-Pflichten. Die Grundpflichten, die fast jeden Betrieb betreffen, sind längst scharf geschaltet.
Die zwei Pflichten, die fast jedes KMU betreffen
1. KI-Kompetenz. Die Verordnung verlangt, dass Unternehmen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter über ausreichendes KI-Verständnis verfügen, um die eingesetzten Systeme verantwortungsvoll zu nutzen. Das gilt seit Februar 2025 — und betrifft jeden, der KI im Betrieb einsetzt. Mehr dazu im Beitrag KI-Kompetenz-Pflicht.
2. Verbotene Praktiken. Bestimmte KI-Anwendungen sind grundsätzlich untersagt — etwa manipulative Systeme oder unzulässige biometrische Auswertung. Welche das sind, erklären wir im Beitrag Verbotene KI-Praktiken.
Was bei Verstößen droht
Die Bußgelder sind erheblich und übertreffen sogar die DSGVO-Strafen: bis zu 35 Mio. Euro oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes bei verbotenen Praktiken, bis zu 15 Mio. Euro oder 3 % bei sonstigen Pflichtverstößen. Für KMU gilt eine Erleichterung: Es wird jeweils der niedrigere der beiden Beträge angesetzt. Trotzdem — für einen kleinen Betrieb ist auch das existenzbedrohend.
Was bedeutet das für österreichische KMU?
Nicht in falscher Sicherheit wiegen. Der Aufschub bei Hochrisiko-Systemen verleitet dazu, das Thema aufzuschieben. Das wäre ein Fehler: KI-Kompetenz und Verbote gelten jetzt. Gerade Betriebe, die KI in sensiblen Bereichen einsetzen — etwa Steuerberater & Rechtsanwälte oder Finanzdienstleister — sollten ihren Status kennen.
Den eigenen KI-Einsatz inventarisieren. Der erste Schritt ist immer: Welche KI-Systeme nutzen wir überhaupt, und in welche Risikoklasse fallen sie? Diese Bestandsaufnahme ist Teil unserer KI-Strategieberatung.
Die gewonnene Zeit nutzen. Wer absehbar Hochrisiko-Systeme einsetzt (z.B. KI in der Personalauswahl), hat durch den Aufschub mehr Vorbereitungszeit — die man auch nutzen sollte, statt sie verstreichen zu lassen.
Unser Fazit
Der Digital Omnibus nimmt Druck von den komplexen Hochrisiko-Pflichten — aber er ändert nichts an den Grundpflichten, die schon gelten. Aus unserer Beratungspraxis wissen wir: Viele KMU unterschätzen, dass KI-Kompetenz und die Verbote längst bindend sind. Wer hier sauber aufgestellt ist, hat den wichtigsten Teil erledigt und kann der weiteren Umsetzung gelassen entgegensehen.
Sie wollen wissen, wo Ihr Betrieb bei der EU-KI-Verordnung steht? Im kostenlosen Erstgespräch verschaffen wir Ihnen einen klaren Überblick — verständlich und ohne Paragraphen-Dschungel.
Weiterführend
- KI-Strategieberatung — KI-Einsatz rechtssicher aufstellen
- KI für Steuerberater & Rechtsanwälte — Compliance in regulierten Branchen
- KI-Kompetenz-Pflicht: Was die Schulungspflicht für KMU bedeutet
- EU-KI-Verordnung: Die 6-Schritte-Checkliste für KMU
- Kostenloser KI-Readiness-Check — Wie bereit ist Ihr Unternehmen für KI?
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