Der Begriff „Hochrisiko-KI" klingt nach Großkonzern und Spezialtechnologie. Tatsächlich fallen aber auch ganz alltägliche Anwendungen darunter — etwa KI in der Bewerberauswahl. Für KMU lohnt es sich daher zu wissen, was die EU-KI-Verordnung als Hochrisiko einstuft und welche Pflichten damit verbunden sind.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Für Ihren konkreten Fall ziehen Sie bitte fachkundige juristische Beratung hinzu.
Was gilt als Hochrisiko-KI?
Die Verordnung unterscheidet zwei Hauptgruppen:
1. Eigenständige Hochrisiko-Systeme (Annex III). Dazu zählen KI-Anwendungen in sensiblen Bereichen, unter anderem:
- Personalwesen: Bewerberauswahl, Leistungsbewertung, Beförderungs- oder Kündigungsentscheidungen
- Zugang zu wesentlichen Leistungen: Kreditscoring, Bonitätsprüfung, Versicherungseinstufung
- Biometrische Identifikation
- Kritische Infrastruktur, Bildung, Strafverfolgung, Migration
2. Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Annex I). KI, die als Sicherheitskomponente in ohnehin regulierten Produkten steckt — etwa Medizingeräte, Maschinen oder Fahrzeuge.
Gerade die erste Gruppe ist für KMU relevant: Wer KI bei Einstellungen, in der Kreditvergabe oder bei Versicherungsentscheidungen einsetzt, bewegt sich potenziell im Hochrisiko-Bereich.
Welche Pflichten gelten — und ab wann?
Für Hochrisiko-Systeme gelten umfangreiche Pflichten: Risikomanagement, hohe Datenqualität, technische Dokumentation, menschliche Aufsicht, Transparenz und in vielen Fällen eine Grundrechte-Folgenabschätzung (FRIA).
Der zeitliche Rahmen hat sich durch den Digital Omnibus verschoben (Stand Juni 2026, formale Annahme noch ausstehend):
- Eigenständige Annex-III-Systeme: Pflichten ab 2. Dezember 2027
- Hochrisiko-KI in regulierten Produkten (Annex I): ab 2. August 2028
Wichtig: Der Aufschub bedeutet nicht, dass das Thema irrelevant ist — er verschafft nur mehr Vorbereitungszeit. Den Gesamtzusammenhang erklären wir im Beitrag EU-KI-Verordnung 2026.
Anbieter oder Betreiber — ein wichtiger Unterschied
Die Verordnung unterscheidet zwischen Anbietern (die ein KI-System entwickeln) und Betreibern (die es nutzen). Die meisten KMU sind Betreiber — sie kaufen KI-Lösungen ein und setzen sie ein. Auch Betreiber haben Pflichten, etwa zur menschlichen Aufsicht und zur korrekten Verwendung.
Achtung: Wer ein eingekauftes Hochrisiko-System wesentlich verändert oder unter eigenem Namen vertreibt, kann rechtlich zum Anbieter werden — mit deutlich mehr Pflichten. Das ist ein häufig übersehener Stolperstein.
Was bedeutet das für österreichische KMU?
Prüfen Sie Ihre KI-Anwendungen ehrlich. Setzen Sie KI in der Personalauswahl, bei Bonitätsprüfungen oder Versicherungseinstufungen ein? Dann sollten Sie früh klären, ob Sie im Hochrisiko-Bereich liegen. Für Finanzdienstleister & Versicherungsmakler ist das besonders relevant.
Den Aufschub als Vorbereitungszeit nutzen. Die verlängerten Fristen sind ein Geschenk — wenn man sie nutzt. Wer jetzt seine Systeme einordnet und Prozesse vorbereitet, steht 2027 entspannt da. Diese Einordnung leisten wir in der KI-Strategieberatung.
Im Zweifel auf einfachere Alternativen ausweichen. Oft lässt sich derselbe Nutzen mit einer KI-Anwendung erzielen, die nicht als Hochrisiko gilt — etwa indem die KI nur unterstützt, statt automatisiert zu entscheiden. Solche Gestaltungsspielräume sind bares Geld wert.
Unser Fazit
Hochrisiko-KI ist kein reines Großkonzern-Thema — auch KMU können betroffen sein, vor allem im Personal- und Finanzbereich. Der Aufschub bis 2027/2028 nimmt den Zeitdruck, ersetzt aber nicht die Vorbereitung. Unsere Empfehlung: Ordnen Sie Ihre KI-Anwendungen jetzt ein, statt die gewonnene Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.
Sie sind unsicher, ob Ihre KI-Anwendung als Hochrisiko gilt? Im kostenlosen Erstgespräch verschaffen wir Ihnen Klarheit — verständlich und ohne juristisches Kauderwelsch.
Weiterführend
- KI-Strategieberatung — KI-Anwendungen richtig einordnen
- KI für Finanzdienstleister & Versicherungsmakler — Hochrisiko im Finanzbereich
- EU-KI-Verordnung 2026: Was für KMU gilt
- EU-KI-Verordnung: Die 6-Schritte-Checkliste für KMU
- Kostenloser KI-Readiness-Check — Wie bereit ist Ihr Unternehmen für KI?
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