Zum Inhalt springen
Praxisvon Mathias Galler30. Oktober 20269 Min. Lesezeit

Kurzfassung

  • Der EU AI Act verlangt seit 2. Februar 2025 von Unternehmen, die KI einsetzen, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten (Artikel 4). Ein bestimmtes Zertifikat oder eine Stundenzahl ist nicht vorgeschrieben.
  • Eine gute Schulung vermittelt Grundlagen, Grenzen, Datenschutz und klare Regeln, plus Übungen mit den Aufgaben der Teilnehmenden.
  • Formate: offene Kurse, Inhouse-Workshop, Selbststudium und laufende Begleitung. Die beste Wahl hängt von Teamgröße und Ziel ab.
  • Kosten: Offene Kurse liegen in Österreich je nach Umfang im Bereich von einigen hundert bis gut tausend Euro pro Person. Inhouse-Workshops werden meist pro Tag oder Halbtag abgerechnet.
  • Dokumentieren Sie Termin, Inhalte und Teilnehmende. Das ist Ihr Nachweis.

Muss ich Mitarbeiter in KI schulen?

Kurz gesagt: Sie müssen Maßnahmen treffen, Sie müssen nicht zwingend Kurse buchen. Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt, dass Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihres Personals zu fördern. Das gilt seit 2. Februar 2025. Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) hat die Formulierung abgeschwächt: Gefordert sind Maßnahmen, nicht mehr ein bestimmtes Kompetenzniveau.

Wer ist betroffen? Jedes Unternehmen, das KI im Betrieb einsetzt. Dazu zählt schon ChatGPT für E-Mails, ein Chatbot auf der Website oder eine KI-Funktion in der Branchensoftware. Einen Überblick über alle Pflichten finden Sie im EU-AI-Act-Leitfaden für KMU.

Unabhängig von der Pflicht gibt es einen wirtschaftlichen Grund: Laut Statistik Austria nannten 15 % der Unternehmen, die KI erwogen, aber nicht eingeführt haben, fehlendes Fachwissen als Grund. Wer sein Team schult, nutzt KI sicherer und besser.

Was gehört in eine gute KI-Schulung?

Eine Schulung, die nur Folien zeigt, bleibt wirkungslos. Diese Bausteine haben sich bewährt:

  1. Grundlagen: Was kann KI, was nicht? Wie entsteht eine Antwort, warum erfindet sie manchmal Dinge (Halluzinationen), warum redet sie Nutzern nach dem Mund?
  2. Datenschutz und Sicherheit: Welche Daten dürfen in welches Tool, welche nie? Wo liegt der Unterschied zwischen privatem Gratis-Account und Business-Zugang? Siehe Datenschutz und KI.
  3. Regeln im Betrieb: Erlaubte Tools, Freigabe von Ergebnissen, Kennzeichnung gegenüber Kunden. Eine einseitige KI-Richtlinie reicht oft aus.
  4. Anweisungen schreiben: Wie formuliere ich Aufträge, die brauchbare Ergebnisse liefern? Mehr dazu in Prompt Engineering für KMU.
  5. Rollenspezifische Übungen: Jede Person arbeitet an einer eigenen Aufgabe (Angebot, Protokoll, Kundenmail, Auswertung).
  6. Prüfen und verantworten: Ergebnisse kontrollieren, Quellen prüfen, wissen, wann ein Mensch entscheiden muss.
  7. Rechtliche Basics: Kennzeichnung von Chatbots und KI-Inhalten, Urheberrecht, Grundzüge des AI Acts.

Der Anteil der Übung sollte hoch sein. Faustregel aus unserer Praxis: mindestens die Hälfte der Zeit arbeiten die Teilnehmenden selbst.

Formate im Vergleich

Format Passt für Vorteile Grenzen
Offene Kurse (zum Beispiel bei WIFI oder anderen Anbietern) Einzelne Personen, kleine Teams feste Termine, anerkannte Anbieter allgemeine Inhalte, wenig Bezug zu Ihren Abläufen
Inhouse-Workshop Teams ab etwa 5 Personen Ihre Aufgaben und Tools, Regeln gleich mit erarbeitet Organisation eines gemeinsamen Termins
Selbststudium und E-Learning Ergänzung für Einzelne flexibel, günstig ohne Praxis und Austausch wenig nachhaltig
Laufende Begleitung (Mentoring) Betriebe, die KI breit einführen Fragen im Alltag, Einführung in Etappen läuft über mehrere Monate

Viele Betriebe kombinieren: ein gemeinsamer Inhouse-Workshop zum Start und danach kurze Auffrischungen.

Was kostet eine KI-Schulung?

Eine ehrliche Antwort hängt von Umfang und Format ab. Zur Orientierung einige Beispiele und Rechnungen:

Offene Kurse (Beispiele aus dem Programm 2026/27 des WIFI Oberösterreich, pro Person):

  • „Künstliche Intelligenz im Office": 8 Trainingseinheiten, 308 €
  • „KI-Führerschein": 28 Trainingseinheiten, 1.050 €

Inhouse-Workshops bei uns:

  • Halbtag ab 1.490 €, ganzer Tag ab 2.490 €, Gruppen bis 15 Personen
  • Mit erster Umsetzung im Anschluss: KI-Starter für 3.900 €

Rechenbeispiel für 10 Personen (Planungsannahme):

  • Offene Kurse „KI im Office": 10 × 308 € = 3.080 € Kurskosten, dazu die Arbeitszeit von 10 Personen für je einen Tag und Kursort-Wege.
  • Inhouse-Halbtag: 1.490 € für alle zehn, die Arbeitszeit beträgt rund einen halben Tag pro Person, Inhalte und Übungen sind auf Ihren Betrieb zugeschnitten.

Die beiden Wege sind nicht gleichwertig: Offene Kurse liefern allgemeine Kompetenz und ein Kursdokument, ein Inhouse-Workshop liefert zusätzlich Regeln, Vorlagen und gemeinsame Praxis. Rechnen Sie immer die Arbeitszeit der Teilnehmenden mit, sie ist oft der größte Kostenblock. Wie Sie das ehrlich durchrechnen, zeigt der Beitrag KI-ROI berechnen.

Förderung für KI-Weiterbildung

Für Weiterbildung gibt es in Österreich Programme, zum Beispiel die FFG Skills Schecks (50 % der externen Weiterbildungskosten, bis 5.000 Euro pro Person, laufend bis 15.12.2026, Stand 30.10.2026) und die AMS-Qualifizierungsförderung für Beschäftigte (für bestimmte Personengruppen). Wichtig zu wissen: Die Skills Schecks fördern nur öffentlich zugängliche Kurse zertifizierter Anbieter, Inhouse-Schulungen sind ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen sind Kurse zu digitalen Grundkompetenzen, etwa Office-Grundkenntnisse oder die Nutzung von Kollaborationstools. Ob ein bestimmter KI-Kurs darunter fällt, klären Sie am besten vor der Buchung mit der FFG. Ob und welche Förderung für Ihr Vorhaben passt, entscheidet die jeweilige Förderstelle. Den aktuellen Stand mit Fristen zeigt unser Überblick zu KI-Förderungen. Der Antrag muss immer vor Kursbeginn gestellt werden.

Dokumentation: Ihr Nachweis

Damit Sie belegen können, dass Sie Maßnahmen getroffen haben, halten Sie fest:

  • Wer wurde geschult (Teilnehmerliste)
  • Wann und wie lange
  • Welche Inhalte (Agenda oder Unterlagen)
  • Welche Regeln wurden vereinbart (KI-Richtlinie, erlaubte Tools)
  • Wann ist die Auffrischung geplant (zum Beispiel jährlich oder bei neuen Tools)

Eine einfache Tabelle genügt. Zertifikate sind nett, aber keine Voraussetzung.

Ablauf: Schulung in 30 Tagen organisieren

  • Woche 1: Tools und Anwendungsfälle erfassen, Rollen festlegen, Ziel definieren.
  • Woche 2: Format wählen, Termin planen, Förderung klären (falls ein offener Kurs infrage kommt, vor der Buchung).
  • Woche 3: Schulung durchführen, Regeln gemeinsam verabschieden.
  • Woche 4: Dokumentieren, kurze Umfrage zum Nutzen, erste Auffrischung planen.

Wie Sie das Thema im Team angehen, ohne Widerstand zu erzeugen, beschreibt der Beitrag zum Change Management bei KI.

Typische Fehler

  • Einmalige Folienschlacht: Ohne Übung bleibt wenig hängen.
  • Nur die Geschäftsführung wird geschult: Die Beschäftigten, die KI täglich nutzen, brauchen die Inhalte.
  • Keine Regeln: Wissen ohne Leitplanken führt zu privaten Accounts und Schatten-KI.
  • Keine Dokumentation: Ohne Nachweis hilft die beste Schulung wenig, wenn jemand nachfragt.
  • Zu spät fördern lassen: Anträge nach Kursbeginn gehen leer aus.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Zertifikat? Nein. Gefordert sind Maßnahmen, kein bestimmtes Zertifikat. Ein Nachweis über Teilnahme und Inhalte ist trotzdem sinnvoll.

Müssen alle Mitarbeiter geschult werden? Alle, die mit KI arbeiten oder deren Ergebnisse nutzen. Wer KI nicht berührt, braucht keine Schulung.

Wie oft muss aufgefrischt werden? Eine feste Frist gibt es nicht. Wir empfehlen eine kurze Auffrischung pro Jahr und bei neuen Tools.

Reicht ein Video-Kurs? Er kann ein Baustein sein. Wirksamer ist ein Mix aus Input, eigenen Übungen und Regeln im Betrieb.

Unser Fazit

KI-Schulung ist keine lästige Pflichtübung, sondern die günstigste Absicherung für Ihren KI-Einsatz. Wer sein Team in Grundlagen, Datenschutz und Praxis einweist, vermeidet Fehler, steigert den Nutzen und erfüllt die Anforderung aus dem EU AI Act mit. Starten Sie mit einem halben Tag, dokumentieren Sie sauber und frischen Sie regelmäßig auf.

Sie wollen Ihr Team schulen? Mit der AI-Literacy-Schulung bieten wir ein Inhouse-Format für KMU. Das passende Modell besprechen wir im kostenlosen Erstgespräch.


Weiterführend

Quellen

Mathias Galler
Über den Autor
Mathias Galler
KI-Berater und Mitgründer von KI-Mentoring

Mathias Galler berät österreichische KMU bei der Einführung von KI, von der Strategie bis zur Automatisierung einzelner Prozesse. Er bringt über 8 Jahre Erfahrung aus Online-Marketing und SEO mit, hat alle Kurse der Anthropic Academy abgeschlossen und entwickelt mit werq.at eine eigene SaaS-Lösung für Agenturen.

Teilen:in𝕏✉

KI-Wissen direkt ins Postfach

Neue Artikel, Praxis-Tipps und Fördernews für Ihr Unternehmen. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.