KI-Inhalte im Geschäftsalltag: Wem gehört was?
Sie lassen ChatGPT einen Werbetext schreiben, generieren mit Midjourney ein Produktbild oder nutzen GitHub Copilot für Code. Doch wem gehören diese Inhalte eigentlich? Dürfen Sie sie kommerziell nutzen? Und was passiert, wenn die KI versehentlich geschütztes Material reproduziert?
Für österreichische KMU sind das keine theoretischen Fragen. Wer KI-generierte Inhalte in Website, Marketing oder Produktentwicklung einsetzt, braucht Klarheit über die Rechtslage.
Die aktuelle Rechtslage in Österreich und der EU
Grundprinzip: Kein Urheberrecht ohne menschlichen Schöpfer
Das österreichische Urheberrechtsgesetz (UrhG) schützt nur Werke, die das Ergebnis einer persönlichen geistigen Schöpfung sind. Dasselbe Prinzip gilt EU-weit. Das bedeutet:
- Rein maschinell erzeugte Inhalte (z. B. ein Bild, das allein durch den Prompt „Sonnenuntergang über Graz" entsteht) genießen keinen urheberrechtlichen Schutz
- Niemand kann sich als Urheber eines vollständig KI-generierten Werks ausgeben
- Gleichzeitig kann aber auch niemand anderer Urheberrechte daran geltend machen – das Werk ist gemeinfrei
Das klingt erst einmal harmlos, hat aber eine wichtige Konsequenz: Sie können andere nicht daran hindern, dasselbe KI-generierte Material zu verwenden.
Die Grauzone: Mensch + Maschine
Anders sieht es aus, wenn ein Mensch wesentliche kreative Leistung einbringt:
- Detaillierte, kreative Prompts, die das Ergebnis maßgeblich steuern
- Umfangreiche Nachbearbeitung (Retusche, Umschreiben, Ergänzung)
- Auswahl und Komposition aus mehreren KI-Outputs zu einem neuen Werk
In diesen Fällen kann ein urheberrechtlicher Schutz entstehen – die Schwelle ist aber noch nicht klar definiert. Es gibt bisher kaum Rechtsprechung dazu, weder in Österreich noch auf EU-Ebene. In den USA hat das Copyright Office bereits klargestellt, dass reine KI-Outputs nicht schutzfähig sind, menschliche Beiträge aber sehr wohl.
Kommerzielle Nutzung: Was ist erlaubt?
Texte, Bilder und Code verwenden
Die gute Nachricht für KMU: Sie dürfen KI-generierte Inhalte grundsätzlich kommerziell nutzen – solange Sie die Nutzungsbedingungen des jeweiligen Tools einhalten.
- OpenAI (ChatGPT, DALL-E): Alle Outputs gehören dem Nutzer, kommerzielle Nutzung erlaubt
- Anthropic (Claude): Kommerzielle Nutzung erlaubt, Output-Rechte beim Nutzer
- Midjourney: Kommerzielle Nutzung ab dem bezahlten Tarif
- GitHub Copilot: Code darf kommerziell genutzt werden
Wichtig: Diese Rechte gelten auf Basis der vertraglichen Nutzungsbedingungen, nicht auf Basis des Urheberrechts. Der Unterschied ist relevant: Sie haben eine Lizenz zur Nutzung, aber keinen exklusiven Schutz.
Kennzeichnungspflicht durch den EU AI Act
Der EU AI Act bringt zusätzliche Pflichten: KI-generierte Inhalte müssen in bestimmten Kontexten als solche gekennzeichnet werden. Das betrifft insbesondere Deepfakes und synthetische Medien, aber auch Texte, die den Eindruck erwecken, von Menschen verfasst zu sein.
Vorsicht: Urheberrechtsverletzungen durch das Modell
Ein oft unterschätztes Risiko: Das KI-Modell selbst könnte mit urheberrechtlich geschütztem Material trainiert worden sein. Wenn die KI geschütztes Material reproduziert – etwa einen wiedererkennbaren Stil, ein Logo oder einen Textabschnitt – kann das eine Urheberrechtsverletzung darstellen.
Für Sie als Nutzer bedeutet das:
- Sie könnten haftbar sein, auch wenn Sie von der Verletzung nichts wussten
- Besonders bei Bildern ist das Risiko hoch – Midjourney und DALL-E wurden mit Milliarden urheberrechtlich geschützter Bilder trainiert
- Aktuell laufen mehrere Klagen gegen KI-Anbieter (u. a. Getty Images gegen Stability AI)
Risiko: Markenrechtsverletzungen
Neben dem Urheberrecht gibt es ein weiteres Risiko: Markenrecht. Wenn Sie KI nutzen, um Logos, Firmennamen oder Slogans zu generieren, kann die KI versehentlich bestehende Marken reproduzieren.
- Ein KI-generiertes Logo könnte einer eingetragenen Marke zu ähnlich sein
- Ein KI-vorgeschlagener Firmenname könnte bereits markenrechtlich geschützt sein
- Prüfen Sie KI-generierte Markennamen immer im Markenregister des Österreichischen Patentamts und im EUIPO
Praxistipps für KMU
Checkliste: KI-Inhalte sicher nutzen
| Maßnahme | Status |
|---|---|
| Nutzungsbedingungen des KI-Tools lesen und einhalten | ☐ |
| Bezahlte Version nutzen (sichert kommerzielle Nutzungsrechte) | ☐ |
| Keine geschützten Werke als Input verwenden (Texte, Bilder Dritter) | ☐ |
| KI-generierte Bilder auf Ähnlichkeit mit bekannten Werken prüfen | ☐ |
| KI-generierte Markennamen im Markenregister prüfen | ☐ |
| Nachbearbeitung und kreative Eigenleistung dokumentieren | ☐ |
| KI-generierte Inhalte gemäß EU AI Act kennzeichnen | ☐ |
| Interne Richtlinie für KI-generierte Inhalte erstellen | ☐ |
Dokumentation ist entscheidend
Wenn Sie KI-generierte Inhalte verwenden und sich einen gewissen Schutzanspruch sichern möchten, dokumentieren Sie Ihre kreative Eigenleistung:
- Prompts aufheben: Speichern Sie die Prompts, die zum Ergebnis geführt haben
- Nachbearbeitung festhalten: Screenshots oder Versionsverlauf der Bearbeitungsschritte
- Auswahlprozess dokumentieren: Wenn Sie aus mehreren Outputs den besten wählen und weiterentwickeln
Diese Dokumentation kann im Streitfall belegen, dass eine menschliche Schöpfungsleistung vorliegt.
Was Sie beim Datenschutz beachten müssen
Urheberrecht ist nicht das einzige Rechtsthema bei KI-generierten Inhalten. Auch die DSGVO spielt eine wichtige Rolle – insbesondere wenn personenbezogene Daten in Prompts eingegeben werden.
Fazit
KI-generierte Inhalte dürfen Sie als KMU grundsätzlich kommerziell nutzen – ein exklusives Urheberrecht erhalten Sie dafür in der Regel aber nicht. Die wichtigsten Grundsätze:
- Rein maschinelle Outputs sind nicht urheberrechtlich geschützt – weder für Sie noch gegen Sie
- Kreative Eigenleistung (Prompts, Nachbearbeitung, Auswahl) kann Schutz begründen, die Rechtslage ist aber noch ungeklärt
- Nutzungsbedingungen der Tools regeln, was Sie kommerziell tun dürfen
- Prüfen Sie Ergebnisse auf mögliche Urheber- und Markenrechtsverletzungen
Im Zweifelsfall lohnt sich professionelle Beratung. In meiner KI-Strategieberatung klären wir gemeinsam, wie Sie KI-Tools rechtssicher in Ihrem Unternehmen einsetzen.
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